Gemeinsame Projekte Künstler und Behinderte

Erfolgserlebnisse für jeden selbst und für alle gemeinsam

Crescende mit Martina Buchner im Pater-Rupert-Mayer-Zentrum


Da wird aber konzentriert gearbeitet! Links Künstlerin Martina Buchner.

Ein Poltern und Hämmern, ein Klopfen und Schlagen, wenn nur überall so konzentriert gearbeitet würde, wie beim Crescende-Projekt mit Martina Buchner im Werkraum im Pater-Rupert-Mayer-Zentrum! Zwei hart gebrannte und bunt bemalte Gesichter aus Ton hat die Künstlerin heute mitgebracht und soeben den Kindern gezeigt. "Ooooh, die sind aber schön", hallt es im Raum. "Wollt ihr so etwas auch machen?" "Jaaa" rufen alle Kinder gleichzeitig, dass man es durch die offene Tür im ganzen Gang hören kann. "Ja, dann fangen wir doch gleich damit an", gibt Martina Buchner das Signal zum Start.

Die Tonkünstlerin erklärt den zehn Kindern im Diagnose und Förderbereich kurz, worum es geht, was zu tun ist. "Jeder bekommt von mir so einen Block Ton." "Ich will auch einen haben", schreien wieder fast alle gemeinsam. Und die Neunjährigen können es fast nicht erwarten, bis der Block vor ihnen auf dem Tisch liegt. "Woll'n ma hau'n?", fragt die Künstlerin noch kurz, und schon geht das Werkeln los. Die Kinder arbeiten mit der Faust und mit Holzstäben. Jede und jeder hämmert und klopft seinen Tonklotz in die Breite, formt mit angestrengtem Gesicht die knetbare Masse.

Die zunächst rechteckigen Würfel werden immer flacher zu einer Scheibe. "Du lässt an dem Ton aber ganz schön deine Wut aus", sagt die Klassleiterin, Sonderschullehrerin Hannelore Friedl, ganz nett zu Markus und spornt ihn zum eifrigen Weiterarbeiten an. "Aber pass auf, wo du hinhaust!"

"Es darf nur nicht zu dünn werden", sagt Martina Buchner. Und ein Mädchen nimmt den Holzstab und rollt die Scheibe noch etwas glatt. Dann schneidet es die Fransen am Rand mit einem Plastikmesser ab. "Ihr braucht auch Augen und Nasen", erinnert Martina Buchner an ihre Einführung. "Die fertigen Masken haben nämlich auch einen Mund, Augen und Plubbernasen, so wie ihr!"

Konzentriert und angestrengt

Äußerst konzentriert und angestrengt bohrt Simon Löcher als Augen heraus. Ganz stolz betrachtet er dann sein Werk, das schon deutlich als Gesicht zu erkennen ist. Ein anderes Kind rollt gerade Tonreste zu Streifen. Diese klebt es dann oben an die Scheibe, als dicke Haare. Aufmerksam helfen die Betreuerinnen und die Künstlerin jedem Kind. Wenn eines ruft, sind die Helferinnen zur Stelle. Kinderpflegerin Ursula Berr ist gerade auf der anderen Seite und führt einem eifrigen Tonkünstler die Hand.

Ein großes Windlicht

Martina Buchner will zunächst jedem Kind sein eigenes Erfolgserlebnis gönnen. Jedes Kind macht für sich selbst ein Gesicht. Und jeder darf am Ende sein Tongesicht mit nach Hause nehmen. Zum Abschluss des Projektes, wahrscheinlich est im neuen Schuljahr im September, plant die Künstlerin mit ihren Kindern ein Gemeinschaftsprojekt. Sie hat dafür ein großes Windlicht im Kopf. Jedes Kind soll dazu seinen Beitrag leisten. Dieses Gemeinschaftsprojekt ist dann auch für die Präsentation bei der ausstellung und der Abschlussveranstaltung am 17. Oktober im Kulturspeicher in Regensburg vorgesehen. Dort sollen die Kinder dann ein weiteres Erfolgserlebnis haben, wenn viele Leute ihr Kunstwerk betrachten, darüber staunen und vielleicht sogar die Akteure bewundern und loben.

Text und Fotos: Engelbert Weiß

 

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