Gemeinsame Projekte Künstler und Behinderte

 

Integrative Klasse baut Legoland, ein Dorf und einen Zauberberg

Crescende mit Andrea Fahrenberger, Edith Rauch und Barbara Vogl


Sonderschullehrerin Gisela Schwänzl-Kracker von der Bischof Wittmann Schule (ganz links) und Grundschullehrerin Brigitte Born (hinten stehend) betreuen die integrative Klasse mit sechs Kindern, die in der Grundschule Königswiesen untergebracht ist. Rechts vorne Keramikkünstlerin Andrea Fahrenberger aus Bad Abbach.

Die Künstlerinnen Andrea Fahrenberger, Edith Rauch und Barbara Vogl haben mit den Lehrerinnen Gisela Schwänzl-Kracker und Brigitte Born Kontakt aufgenommen, um in der integrativen Klasse der Grundschule Königswiesen in Regensburg mit behinderten und nicht behinderten Kindern aus Keramik Kunst zu entwickeln. Die Keramik-Künstlerinnen und die beiden Lehrerinnen arbeiteten mit zwölf Grundschulkindern und sechs geistig behinderten Kindern. Beim Erlernen eines Liedes beim ersten Treffen wurde das Vorgehen besprochen. "Die pfiffigen Kinder hatten schon viele Ideen, berichten die Künstlerinnen. Jede Künstlerin experimentiert mit einer Integrativgruppe von sechs Kindern und formt und gestaltet ein gemeinsames Kunstwerk. Die Kinder spüren und kneten dabei das noch weiche Material Ton. Jedes einzelne Kind kann Tonerde erleben und empfinden und dadurch Spielideen entwickeln. Gemeinsam wird das Ergebnis dann auch "ausstellungsfähig" präsentiert.

Kompletter Ponyhof aus Ton

Einen kompletten Ponyhof mit Stall und sechs Pferden hat Jasmin in Ton gefertigt (Foto links). "Jasmin ging ganz planvoll ran und hat das super gemacht", berichtet Keramikkünstlerin Barbara Vogl aus Lappersdorf. "Die ist wirklich spitze!" Ihre Gruppe hatte das Thema "Mein Dorf".

Aus rohem Ton formen die Kinder phantasievolle Gestalten und Gebilde. "Es ist wirklich erstaunlich, was dabei alles herausgekommen ist", freuen sich die Lehrerinnen mit den Künstlerinnen gemeinsam: "Mensch, Manuela, hast du aber ein schönes Männchen gemacht!"

Imposante Bauteile

In der Gruppe von Andrea Fahrenberger (Bild ganz oben) liegen imposante Bauteile auf dem Tisch. Sie gehören zu einer großen Wasserrutsche mit Booten. Von ihrem Ausflug angeregt hat sich die Gruppe beim "Crescende"-Projekt dem Thema Legoland gewidmet. Kanäle, Becken und Türme, Häuser und Männchen haben die Kinder teilweise im Bausatzsystem gebastelt, um daraus dann ihr Legoland zusammenzufügen.

Ein bunter Zauberberg mit Monster

Und die Gruppe von Edith Rauch hat sich einen "Zauberberg" vorgenommen. Ganz oben auf der Spitze sitzt ein Adler. Das Männchen ist von Mara und der Schmetterling von Julia. Das Monster hat Manuel in Ton geknetet. Die einzelnen Gestalten werden aus geschmeidigem Ton geformt, erklären die Künstlerinnen. Der rohe Ton wird dann mit Engobe-Farben bemalt. Dann müssen die Gestalten etwa zwei Wochen trocknen, bevor sie im Keramikofen gebrannt werden können.

Sechs geistig behinderte Kinder der Bischof Wittmann Schule und zwölf Schülerinnen und Schüler aus der Partnerklasse haben in der Grundschule in Königswiesen ihre Klassenzimmer gleich nebeneinander. Seit zwei Jahren arbeitet die "integrative Kooperationsklasse" in diesem Modell zusammen. Das sind "hervorragende Bedingungen für eine integrative Arbeit", freuen sich die Lehrerinnen. Und die Künstlerinnen sind begeistert von dem rücksichtsvollen Zusammenwirken aller Kinder. "Einfach faszinierend, wie die aufeinander eingehen und miteinander umgehen, sich gegenseitig helfen."

Alle Kinder haben ganz toll mitgemacht", zieht Edith Rauch aus Lappersdorf für das Künstlerprojekt "Crescende" Bilanz. "Ich finde das ganz schön", lobt Lehrerin Schwänzl-Kracker gerade die kleine Anna. Viel Lob und Bestätigung für die Kinder gehören hier wie selbstverständlich zum pädagogischen Konzept. Das gibt Selbstbewusstsein und macht Mut, selbst schwierige Aufgaben zu meistern. Ein eigener Tisch für die bereits fertig geformten Tonkunstwerke ist der Beweis für den Erfolg dieses spannenden Projektes. Man kann über die kreativen und künstlerischen Fähigkeiten der Kinder nur staunen. "Schau doch nur mal dieses Entenauto an, das Wenzel gemacht hat!"

Wenn der Baatz durch die Finger spritzt

"Die Mädchen haben ein unglaubliches Formgefühl und modellieren eher figürlich. Die Buben kneten und arbeiten sich mit viel Kraft und mit Messern und anderen Werkzeugen durch die groben Tonklumpen", berichten die Künstlerinnen über die Projektarbeit. "Mit größtem Eifer und Einsatz kneteten auch die behinderten Kinder und wutzelten viele Tonwürste und Kügelchen." Dabei hatte der ganz nasse Ton eine besondere Anziehungskraft. "Es muss ein phantastisches Gefühl sein, wenn der Batz durch die Finger spritzt." Von den Kindern hatte jedes für sich sein Erfolgserlebnis.

"Wir keramischen Künstlerinnen gingen erschöpft, aber dennoch glücklich über die gelungenen Arbeiten nach Hause. Wir haben nicht nur voneinander gelernt, sondern wir sind alle gewachsen."

Nach der Trockenphase von mehreren Wochen werden die Keramiken im Brennofen bei einer Temperatur von 1050 Grad "gebacken". Alle freuen sich schon auf die Präsentation am 17. Oktober im Kulturspeicher in Regensburg.

Text und Fotos: Engelbert Weiß

 

 

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