Gemeinsame Projekte Künstler und Behinderte

 

Bunte, skurrile Figuren als Ausdruck für das individuelle innere Freisein

Crescende mit Renate Haimerl-Brosch


Schweißer Franz Christ, Kerstin Mühlbacher, Künstlerin Renate Haimerl-Brosch, Peter Janack und Markus Han (von links) im "Atelier a" in Regensburg.

Künstlerin Renate Haimerl-Brosch arbeitet für das Projekt "Crescende" mit vier Behinderten der Lebenshilfe Lappersdorf und Obertaubling zusammen. Das Team kennt sich bereits von verschiedenen Kursen. Martha Raabe von der Lebenshilfe hat Einzelheiten mit den Werkstätten schon abgeklärt. Der Künstlerin schweben abstrakte, bunte Figuren vor, die größer sind als große Menschen. Sie will Rohre biegen, auf Platten schweißen und verschieden geformte Blechplatten anbringen. "Es muss bunt werden und das Thema lässt viel Raum für eigene Interpretationen", berichtet Renate Haimerl-Brosch. Die Aktivitäten laufen vom 15. bis 19. September. Unser Foto links zeigt die Künstlerin mit Franz Christ aus Neutraubling. Christ war bei der Crescende-Arbeit für das Schweißen zuständig. Mit dem Elektroschweißgerät baut er gerade einen "gefallenen ritter" zusammen, der dann natürlich ganz bunt bemalt werden soll.

Die Idee

"Die Idee zu den bunten Vögeln erwächst aus meiner Tätigkeit mit geistig behinderten Erwachsenen, die ich in zwei Gruppen seit einem halben Jahr künstlerisch begleite", berichtet Renate Haimerl-Brosch. Bei dieser Zusammenarbeit hat sie vor allem die emotionale Offenheit der TeilnehmerInnen bewegt. "Gefühle und Bedürfnisse durchlaufen nicht die von uns gewohnte rationale Zensur. Sie kommen ungefiltert, gekoppelt an die individuellen Eigenheiten eines jeden zum Ausdruck. Beeindruckt hat mich das gegenseitige Verständnis und die Achtung eines jeden "Spleens" in den Gruppen."

Die Begegnung mit der Betriebsrätin Christina Baier in Lappersdorf hat die Beobachtung der Künstlerin bestärkt. "Mit ihrer couragierten, offenen Art hat sie mir erklärt, wie sie die Haltung der Gesellschaft gegenüber geistig behinderten Menschen kritisiert. Sie bemängelt, dass Behinderte wegen ihres Andersseins angegafft, nachgeäfft und ausgegrenzt werden. Auch wenn sich geistig behinderte Menschen nicht so benehmen wie es die Allgemeinheit gewohnt ist, sind sie Mitmenschen, die mit Würde zu behandeln sind."

Mit dem Projekt "Bunte Vögel" - rechts auf dem Foto malt Kerstin Mühlbacher aus Obertraublng gerade einen davon an - möchte Renate Haimerl-Brosch diese Thematik ausdrücken.
Bunte, skurrile Figuren als Ausdruck für das individuelle innere Freisein. Hohe Skulpturen, die die Allgemeinheit überragen, weil sie die Toleranz leben, für die die Gesellschaft mit ihren Zwängen oft keine Basis bietet.

 

Das Vorgehen

Haimerl-Brosch hat vier Personen aus ihren Gruppen gewählt, die sich mit ihr in ihrem Atelier mit diesem Thema beschäftigen. Dort werden sie zwei- und dreidimensional vorgehen: Auf Papier, mit Pappe und Metall. Die Künstlerin wird die Zeit nutzen und den einzelnen Leuten die Möglichkeit bieten, in ihrer bevorzugten künstlerischen Art zu arbeiten und diese zu vertiefen.


Peter Janack (linkes Foto) und Markus Hahn (rechtes Foto) kommen aus den Lebenshilfe Werkstätten in Lappersdorf.

 

 

[zurück] [Homepage]