Gemeinsame Projekte Künstler und Behinderte

Behinderte treiben Bleche und Schweißen

Crescende mit Helmut Ohlschmid und dem Pater-Rupert-Mayer-Zentrum


Die Behinderten aus dem Pater-Rupert-Mayer-Zentrum in Regensburg sind begeistert von der Werkstatt des Künstlers Helmut Ohlschmid (zweiter von links) in Kirnberg bei Wörth.

„Mit dem Schweißapparat haben unsere Behinderten noch nicht gearbeitet“, berichtet Werklehrer Hans Georg Rudhart. Das Künstlerprojekt „Crescende“ des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte bringt deshalb Abwechslung und „in dieser Art noch nicht erlebte Erfahrungen" für Behinderte aus dem Pater-Rupert-Mayer-Zentrum in Regensburg.

„Ich nehm deine Hand und du nimmst gleich das Teil, dann sind wir viel näher bei der Sache.“ Motivierend, mit viel Gefühl und Geschick leitet der freischaffende Künstler Helmut Ohlschmid die Behinderten bei der Arbeit in seiner Werkstatt an. Selma schweißt das erste Mal in ihrem Leben und ist total überrascht, dass sie Eisen zusammenkleben kann. Schutzgas- und Punktschweißen haben die sechs Behinderten schon geübt. Seit 23. Juni bis zum Schuljahresende und eventuell auch noch im September fahren sie jeweils am Montag mit dem Bus von Regensburg nach Kirnberg bei Wörth. Dort dürfen sie mit dem Künstler nach Herzenslust kreativ sein. Vor allem für die Selbständigkeitserzeihung der Neuntklässler biete die Arbeit eine einmalige Gelegenheit, freuen sich die zwei Betreuer. Jede Woche fahren andere Betreuer mit, um die verschiedenen Fachrichtungen der Lehrer in die künstlerische Kreativität einzubringen. „Und auch wir Lehrer können bei dem Projekt sehr viel Neues dazulernen“, freut sich Rudhart. „Die Arbeit mit dem Künstler ist faszinierend.“


„Der Tobi hat aber Kraft“

„Der Tobi hat aber Kraft“, staunt Stefanie. Unter Aufsicht der Praktikantin treibt er mit Fabian ein Blech zu einer Art Schüssel. Fabian hat zwar seine Vorstellungen aufgezeichnet. „Was am Schluss herauskommt, das wissen wir aber alle noch nicht“, gesteht der Künstler. Zusammen mit den Behinderten ist er auf dem Weg, etwas zu suchen, etwas zu finden. „Ich bin neugierig, wohin die Entwicklung geht?“ Der KFZ-Mechaniker, Karosseriebauer und langjährige Justizbeamte ist seit 2000 als freischaffender Künstler tätig. Bei zahlreichen Ausstellungen, demnächst wieder in München, hat er sich bereits einen guten Namen erworben.


Unter Aufsicht von Praktikantin Stefanie treiben Tobias und Fabian das Blech.


Einen Menschenvogel und mit dem Scheißbrenner bearbeitete Bleckkacheln schufen die behinderten Künstler mit Helmut Ohlschmid in der Werkstatt in Kirnberg.

Text und Fotos: Engelbert Weiß

 

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