Gemeinsame Projekte Künstler und Behinderte

Viele Schichten machen Farben lebendig

Crescende mit Eva Witt und Esther und Teresa


Eva Witt kann Teresa (links) und Esther (rechts) beim Malen kaum bremsen.

"Ich, du und wir" heißt das Crescende-Projekt, das die Künstlerin Eva Witt mit Teresa und Esther verwirklicht. Bewundernswert sind das Einfühlungsvermögen und die Ausdauer der Künstlerin mit den beiden behinderten Mädchen (16 und 13 Jahre), deren geradezu enthusiastische Lust am Auftragen der bunten Farben oft kaum zu bremsen ist.

Vollständig mit Rot überpinselt

Eva Witt hat einen schwarzen Holzsockel vorbereitet, auf den drei etwa zwei Meter hohe Säulen aufgesteckt werden. Von den zwei kleineren Röhren darf die eine Esther und die andere Teresa gestalten. Die dritte etwas dickere Röhre nehmen dann alle zusammen in Arbeit, sie soll ein Gemeinschaftswerk werden. Nebeneinander auf den Sockel gesteckt wirken die drei Säulen schon in der Entstehungsphase recht eindrucksvoll.

"Ich halt die Farbe und du das Rohr", sagt die Künstlerin zu Teresa (linkes Foto). "Lass mal noch ein bisschen Gelb raus sehen", fordert Eva Witt ihre behinderte Schülerin auf. Doch von dem gelben Rohr ist bald nicht mehr viel zu sehen. Teresa hat es schon fast vollständig mit Rot überpinselt. Die Künstlerin weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Rot Teresas Lieblingsfarbe ist.

Übersprühend vor Freude

Gleich daneben legt Esther los (rechtes Foto). Die Künstlerin hat alle Hände voll zu tun, die begeisterten jungen Malerinnen mit Farbe zu versorgen. Übersprühend vor Freude und sehr lebhaft geht Esther ans Werk. Das Arbeiten mit den Farben scheint ihr riesigen Spaß zu machen. Eva Witt schüttelt den Kopf und staunt. Bevor sie einen Tipp geben kann, hat die engagierte Nachwuchskünstlerin in ihrem lebhaften Werkeln mit dem Pinsel schon fast das ganze Rohr neu eingefärbt.

"Je mehr Schichten übereinander kommen, desto lebendiger wirken die Farben", erklärt die Künstlerin. Die beiden Mädchen gehen dabei mit den Farben in unterschiedlicher Reihenfolge vor. Teresa bemalt ihr Rohr zunächst gelb und geht dann mit Rot darüber. Esther beginnt mit Rot und malt darauf dann mit Gelb. Auch ihren Namen dürfen die beiden Mädchen auf ihre Röhre schreiben. Nur Teile der einzelnen Buchstaben werden am Schluss noch zu sehen sein.

"So jetzt putzen wir der Röhre aber die Zähne", sagt Eva Witt und gibt jedem Mädchen eine Zahnbürste. "Ich lass die Farbe drüber laufen und ihr könnt sie dann mit der Zahnbürste verteilen." Die verschiedenen Werkzeuge wie Pinsel, Zahnbürste oder Lappen bewirken auf den Röhren ganz verschiedene Effekte. "Wie wär's mal mit Kringeln oder Punkten?", fordert die Künstlerin ihre Akteurinnen auf. Und gleich darauf lobt sie die Anstrengungen der Behinderten: "Das werden ja richtige Spiralen!" Und dann wird nicht gestrichen, sondern mit dem Pinsel Farbe "aufgeklopft". Mit Begeisterung ist das Dreierteam bei der Arbeit. "Halt, mein Finger ist ganz rot", versucht Eva Witt die Mädchen wieder einmal zu bremsen. Und diese freuen sich und juchzen in ihren bunt gefleckten Malgewändern, die ganz am Anfang einmal weiß waren.

Nicht nur Farben, auch Blätter und andere kleine Gegenstände aus dem idyllischen Großsstadtgarten der Künstlerin kommen zum Einsatz, werden auf die Röhren geklebt und eingefärbt. Das gibt besondere Strukturen und Farbeffekte. Ganz gefesselt sind die beiden Mädchen und Teresa merkt es gar nicht, dass sie den Pinsel ins Limoglas taucht anstatt ins Wasser. Es wird also Zeit, eine kurze Eispause einzulegen. Auch damit kann Eva Witt ihre behinderten jungen Künstlerinnen wieder einmal sofort begeistern.

Text: Engelbert Weiß

Fotos: Engelbert und Christa Weiß

 

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